Freiwilligeneinsatz auf Zanzibar

Für mich ging es im Sommer 2018 für insgesamt einen Monat nach Tansania, Zanzibar. Da Tansania zu den ärmsten Ländern der Welt gehört und ein überwiegender Teil der Bevölkerung unter der Armut leidet, kam Zanzibar als reines Urlaubsziel für mich nicht in Frage. Aus diesem Grund habe ich mich für einen Freiwilligeneinsatz mit WorldUnite an zwei unterschiedlichen Standorten entschieden.

Mother Nature Conservation Camp

Das Mother Nature Conservation Camp ist eine Kombination aus zehn verschiedenen Tätigkeiten an zwei Standorten. Ich war an den Standorten Jozani, einem Dorf im Südosten der Insel im Regenwald und Nungwi, einem Dorf an der Nordspitze, tätig. Zusammen mit einer Freundin ging es für mich die ersten zwei Wochen unseres Freiwilligeneinsatzes nach Jozani in das WorldUnite Forest Camp.

WorldUnite Forest Camp – Jozani

unsere Unterkunft in Jozani

Vorab konnten wir uns für unseren Einsatzort Jozani zwischen zwei Unterbringungsmöglichkeiten entscheiden. Wir hatten die Wahl zwischen dem WorldUnite Forest Camp und dem Wohnen mit einer Gastfamilie in Muungoni. Wir haben uns für das Forest Camp entschieden. Dort haben wir in einem Safari Zelt mit Platz für insgesamt 6 Leute geschlafen. Insgesamt gibt es 3 Zelte mit jeweils einer Dusche, Toilette, abschließbaren Schränken und einer eigenen Terrasse.

Neben den Zelten befindet sich der großzügige und überdachte Gemeinschaftsplatz für alle Teilnehmer*innen. Dort haben wir gegessen, Englisch, Deutsch und Spanisch Unterricht gegeben und auch einfach mal nur gemütlich zusammen gesessen. In der angrenzenden Küche wurden drei Mahlzeiten am Tag für uns zubereitet und außerdem hatten wir die Chance dort mehrmals am Tag unsere Wasserflaschen mit kaltem und gefiltertem Trinkwasser aufzufüllen.

Tätigkeiten

Da das ForestCamp zu dem Zeitpunkt noch relativ neu war, waren wir die meiste Zeit nur zwei Volontäre in dem Projekt. Wichtig ist jedoch zu betonen, dass wir nie alleine im Camp waren. Ein Wachmann, Babu, war rund um die Uhr vor Ort. Außerdem hat unser Projektleiter, Mohammed, mindestens ein Mal am Tag bei uns vorbeigeschaut und zusätzlich waren Sadam und MiniMo, zwei weitere Mitglieder von WorldUnite, jeden Tag für uns da.

Eine unserer Hauptaufgaben war es, das naheliegende Turtle and Tortoise Land touristischer zu gestalten. In diesem Park können Touristen mehr über die unterschiedlichen Arten der Schildkröten auf Zanzibar erfahren. Von der Hawksbill, über die Suppenschildkröte, bis hin zur Landschildkröte sind alle Arten vertreten. Um den Park touristischer und attraktiver zu gestalten, waren unserer Kreativität keine Grenzen gesetzt. Wir strichen die Rezeption mit ansprechenden Farben, malten das neue Logo des Parks auf dafür vorgesehene Steine und entwarfen ein Skelett inklusive Beschriftung, die zur Veranschaulichung für Touristen dienen sollte.

Neben unseren kreativen Aufgaben, haben wir auch erste Kenntnisse über die verschiedenen Schildkröten Zanzibars gelernt und durften diese füttern und sogar eigene Touristenführungen übernehmen.


Eine weitere Aufgabe war es die Einheimischen in Deutsch, Englisch, als auch Spanisch zu unterrichten. Die Einheimischen aus dem Camp waren wirklich unglaublich interessiert daran ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen bzw. eine neue Sprache zu erlernen. Somit haben wir dann jeden Abend, je nach Interesse, eine andere Sprache unterrichtet. Wichtig ist hierbei im Hinterkopf zu behalten, dass Zanzibar fast ausschließlich durch den Tourismus lebt und es somit von enormer Wichtigkeit für die Einheimischen ist, wenigstens die Grundkenntnisse in Englisch zu erlernen.

fleißiger Englischunterricht am Gemeinschaftsplatz

In unseren letzten Tagen in Jozani haben wir intensivere Einblicke in das Schulsystem bekommen. In Tansania gibt es keine Schulpflicht. Dies liegt unter anderem an der Armut. Viele Familien können die Kosten für Lehrmittel, Schuluniform und Bücher nicht aufbringen und die Kinder müssen oft in der Familie helfen um etwas zum Lebensunterhalt beizutragen. Außerdem herrscht ein Mangel an Schulen. Die finanziellen Mittel reichen nicht aus um richtige Schulgebäude zu bauen und die Ausstattung der Räume ist zudem sehr schlecht. Bildung ist der einzige Weg für diese Menschen um der Armut zu entkommen. Aus diesem Grund war es für mich umso wichtiger einen Einblick in das Schulsystem zu bekommen. Dann zu sehen, dass WorldUnite mit Hilfe von Spenden und Volontären eine Grundschule aufbaut, hat mich richtig zum Strahlen gebracht.

Die Lehrer und Schüler in der Schule haben uns super herzlich aufgenommen und haben uns total euphorisch durch das Dorf und die Schule geführt. Beachte hierbei jedoch, dass wir für die Einheimischen Fremde sind und wunder dich deshalb nicht wenn du aus unterschiedlichen Ecken das Wort „Mzungu“ hörst – dies bedeutet so viel wie „Weißer“. Während unseren Tagen in der Schule habe ich gemerkt, dass die Lehrer*innen versuchen auch mit wenig Mitteln viel an die Kinder weiterzugeben. Als Volontär kannst du dazu beitragen die Bildungssituation zu verbessern und den Unterricht und das Spielen etwas abwechslungsreicher zu gestalten.

Ich habe selten so viele nette Menschen kennengelernt wie während meiner Zeit auf Zanzibar. Aus jeder Ecke hört man ein freundliches „Jambo“ und obwohl die Menschen dort mit wenig leben, sind sie bereit dir alles zu geben und zu helfen. Die Frau unseres Projektleiters hat uns einen Schnupper-Kochkurs für die sansibarische Küche angeboten, in dem wir dann gelernt haben wie man die legendären Chapati Fladen zubereitet. Außerdem wurden uns die Basics in der Landessprache Suaheli beigebracht. Denn so wie wir die sansibarische Mentalität kennengelernt haben, war es für sie unmöglich unsere Hilfe in Englisch, Deutsch und Spanisch einfach anzunehmen. Sie wollten unbedingt etwas zurückgeben und somit lernten wir während unserer Zeit etwas Suaheli. Wir hatten das Glück einen tieferen Einblick in das alltägliche Leben in Jozani zu bekommen und dafür sind wir unglaublich dankbar.


Meeresschildkrötenbungalow – Nungwi

Nach zwei wundervollen Wochen in Jozani, ging es für uns dann in den Norden und somit auch an den Strand, nach Nungwi. Dort haben wir neben dem Mnarani Marine Turtles Conservation Aquarium in dem Meeresschildkrötenbungalow gewohnt. Auch hier konnten wir uns vorab zwischen verschiedenen Unterbringungsmöglichkeiten entscheiden. Zur Auswahl stand ein Einzel-, Doppel-, oder Mehrbettzimmer – wir haben uns für ein Doppelzimmer entschieden. Jedes Zimmer hat ein eigenes Badezimmer mit Toilette und Dusche, sowie großzügige Betten mit integriertem Moskitonetz und einem Regal für Anziehsachen oder Ähnliches.

Direkt am Strand befindet sich ein Pavillon unter dem wir auch täglich drei Mahlzeiten serviert bekommen haben. Anders als das ForestCamp, hat das Aquarium knapp 20 Mitarbeiter die im Aquarium arbeiten und für Fragen immer zu Verfügung standen. Zu Beginn unseres Nungwi-Einsatzes waren wir sechs Volontäre, die zusammen im Aquarium gearbeitet haben.

Tätigkeiten

In dem Meeresschildkröten- und Recyclingprojekt haben wir, wie bereits erwähnt, im Mnarani Marine Turtles Conservation Aquarium, das sich aktiv für die Rettung von vor dem Aussterben bedrohten Schildkröten einsetzt, gearbeitet. Im Gegensatz zu unseren Jozani Tätigkeiten, hatten wir hier geregelte Aufgaben und Arbeitszeiten.

Zu unseren Aufgaben gehörte das Pflegen, Putzen und Verarzten von verletzten Meeresschildkröten. Für die Aufgabe haben wir vorab eine Einführung bekommen, damit die Medikamente auch richtig eingesetzt wurden. Viele der gefundenen und ins Aquarium gebrachten Schildkröten waren bereits verletzt oder zu schwach um alleine zu überleben. Für diese wurde eine extra Krankenstation errichtet, damit sie die Aufmerksamkeit und Pflege bekommen, die sie in einem Becken mit anderen Schildkröten nicht kriegen würden.

Eine weitere Aufgabe war das Putzen der Schwimmbecken und der Lagune. Die Becken der Schildkröten müssen zwei Mal am Tag sauber gemacht und mit frischem Meerwasser befüllt werden. Die Lagune ist mit dem Meer verbunden und richtet sich somit nach den Gezeiten Ebbe und Flut, dadurch ist auch eine natürliche Reinigung der Lagune gewährleistet.

Zwei Mal täglich müssen die Schildkröten gefüttert werden. Vorab mussten wir das Seegras einsammeln und anschließend an die Schildkröten verfüttern. Eine Woche vor unserem Einsatz in Nungwi sind Babyschildkröten geschlüpft und um diese haben wir uns dann besonders gekümmert. Um den Entwicklungsprozess zu beobachten, haben wir die Babies ein Mal die Woche gewogen, gemessen und auf Krankheiten untersucht und all diese Infos anschließend in ein „Tagebuch“ eingetragen.

Das Aquarium wird täglich von vielen Touristen besucht. Diese kriegen in Form einer Tour den Hintergrund zum Aquarium, die unterschiedlichen Schildkrötenarten und das Recycling-Projekt erklärt. Auch wir hatten die Möglichkeit Touren zu geben. Wichtig ist hierbei: Die Touristen dürfen die Schildkröten nicht anfassen. Es handelt sich um eine Auffangstation die dazu da ist, die Schildkröten so weit aufzuziehen, bis sie groß und stark genug sind um am Release Day (20.Februar jeden Jahres) zurück ins Meer gelassen zu werden.

Ein bis zwei Mal die Woche haben wir im Recycling-Projekt gearbeitet. Hier wurde vorab der Müll am Strand gesammelt. Aus Plastik und anderem Müll haben wir dann anschließend nützliche Gegenstände wie z.B Sessel, Regale und Aufbewahrungsmöglichkeiten gebaut. Die Einheimischen haben so gut wie keine Aufklärung über Mülltrennung und deshalb war es uns ein besonderes Anliegen sie in dieser Angelegenheit zu unterstützen. Viele verbrennen ihren Müll auf einem Haufen, egal ob Plastik, Bio oder Glas. Dies soll in Zukunft geändert werden. In Form von Aufklärungsvorträgen soll das Verständnis zum Thema Mülltrennung verbessert werden.

Auch mein Einsatz in Nungwi hat mir so viel Positives gegeben. Dieser Monat Freiwilligenarbeit war eine der besten Entscheidungen die ich je getroffen habe. Es ist wichtig nicht die Augen vor Dritte-Welt-Ländern zu verschließen und das Privileg mit dem Viele von uns aufgewachsen sind wertzuschätzen. Danke an WorldUnite für die tolle Erfahrung – es wir definitiv nicht bei dem einen Freiwilligeneinsatz bleiben.


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4 Kommentare bei „Freiwilligeneinsatz auf Zanzibar“

  1. Oh sooo spannend! Danke für den tollen Artikel. Ich war auch schon in Sansibar und habe darüber gebloggt – ist es für dich ok, wenn ich deinen Text bei mir verlinke? Für alle, die auch Lust auf einen Freiwilligeneinsatz haben (ich wurde schon häufig danach gefragt). LG Sina

    1. Liebe Sina,

      vielen Dank für deinen netten Kommentar.
      Freut mich sehr, dass dir mein Artikel gefällt. Selbstverständlich darfst du ihn auf deiner Seite verlinken.
      LG Ann-Kristin

  2. Hi Ann-Kristin, ich habe noch zwei Fragen dazu: Wo genau hast du dich beworben bzw. wie lief das ab. Und hast du eine Vergütung in Form von Schlafplatz oder Essen o. ä. bekommen? LG Sina

    1. Liebe Sina,
      Ich habe mich direkt bei der Organisation WorldUnite „beworben“, nachdem ich mich für ein bzw. zwei Projekte entschieden hatte. Du kannst dich also gerne auf der Website über die verschiedenen Freiwilligeneinsätze informieren (die Website habe ich auch oben in meinem Blogeintrag verlinkt) und dich dann anmelden bzw. unverbindlich anfragen. In deiner Anfrage gibst du dann dein Wunschprojekt, das Startdatum und die Dauer deines geplanten Einsatzes an. Kurz danach erhälst du eine E-Mail von einem Mitarbeiter, der dir bei allen weiteren Fragen gerne weiterhilft und versucht deine Zeit so weit es geht mit dir zusammen zu organisieren. Ich konnte mich damals nicht zwischen zwei Projekten auf Zanzibar entscheiden und so konnte ich beide Projekte an zwei unterschiedlichen Standorte miteinander verbinden. Es wird also wirklich viel Wert darauf gelegt, dass alles zu deiner Zufriedenheit ist und du das Beste aus deinem Freiwilligeneinsatz rausholen kannst.
      Zu deiner zweiten Frage: Nein, es gibt keine Vergütung in Form von Schlafplatz oder Essen. Alles rund um die Kosten erfährst du dann auch in der Mail des WorldUnite-Mitarbeiters der sich nach deiner Anfrage mit dir in Verbindung setzen wird.

      Ich hoffe ich konnte deine Fragen beantworten! Sollte noch irgendetwas unklar sein, kannst du mir gerne nochmal schreiben
      LG Ann-Kristin

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