Sydney: sechs Monate als AuPair

2016: Da stand ich nun mit meinem bestandenen Abitur in der Tasche. Doch was bringt einem das Abitur wenn man nicht weiß wohin mit sich selbst? Ich war komplett überfordert. Wusste nicht wer ich selbst bin, geschweige denn was ich in meinem Leben erreichen will. Relativ kurzfristig habe ich mich dann für eine Auszeit entschieden. Ich wollte einfach mal raus aus dem Alltag und etwas Neues kennenlernen. Gesagt, getan! Eh ich mich versah, hieß es Koffer packen. Auf in die große weite Welt, in eine der bedeutendsten Weltstädte: Sydney.

Blue Mountains

good to know

Sydney liegt an der Ostküste Australiens am Pazifischen Ozean und ist mit ca. 5,5 Millionen Einwohnern die größte Stadt Australiens und gleichzeitig auch die Hauptstadt des Bundesstaates New South Wales. Die moderne, stimmungsvolle Metropole hat neben dem Opera House, der Harbour Bridge, dem Bondi Beach und den nahe gelegenen Blue Mountains so einiges zu bieten.

„No Worries“ ist das Mantra der Einwohner Sydneys, auch Sydneysider genannt. Generell zählt Sydney zu den multikulturellsten Städten der Welt, denn über 30% der Einwohner wurden außerhalb Australiens geboren.

Sydney Opera House

Was heißt es eigentlich ein AuPair zu sein?

Als AuPair reist du meist für eine bestimmte Zeit in ein fremdes Land und lebst dort bei einer Gastfamilie. Du unterstützt deine Gastfamilie bei der Kinderbetreuung und leichter Hausarbeit und kriegst im Gegenzug dafür Verpflegung und eine Unterkunft, häufig ein eigenes Zimmer im Haus der Familie. Zusätzlich erhälst du wöchentlich ein Taschengeld.

Rückblickend war meine AuPair Zeit besser als ich sie mir je hätte erträumen können. Wenn du also gerne Zeit mit Kindern verbringst und gleichzeitig ein neues Land und eine neue Kultur kennenlernen willst, dann kann ich dir einen Job als Aupair nur ans Herz legen. Du tauchst komplett in das Leben ein, lernst es von einer anderen Seite kennen und verbesserst ganz neben bei noch deine Sprachkenntnisse.

meine drei Zwerge

Meine AuPair Zeit

Gemeinsam mit der Organisation AIFS ging es für mich für sechs Monate als AuPair nach Sydney. Mit vielen anderen AuPairs ging es für mich von Frankfurt nach Sydney, wo uns dann das Leben in einer der größten Metropolen erwartete.

Ich kam in eine wundervolle Familie mit drei Kindern, ein Junge und zwei Mädchen. Der Älteste war sieben Jahre alt, die Mittlere fünf und die Kleine gerade ein Jahr. Von Beginn an war ich Teil der Familie, ich hatte nie das Gefühl „nur für die Familie zu arbeiten“. Ich hatte mein eigenes Zimmer, durfte mir meine Wochenenden frei gestalten und bin sogar mit in den Urlaub gefahren.

Meine Aufgaben bestanden darin die Kinder für die Schule fertig zu machen, die Brote zu schmieren und sie anschließend mit dem Auto zur Schule zu fahren. Drei Mal die Woche habe ich die Kleinste zur daycare (Tagesbetreuung) gebracht, die anderen zwei Tage hat sie Vormittags mit mir verbracht. Nach der Schule wurden dann Hausaufgaben gemacht, es wurde endlos lang gespielt – am liebsten im Park oder auf dem Spielplatz, bis wir dann abends alle zusammen Abend gegessen haben.

Bondi Icebergs

Natürlich besteht deine Zeit als AuPair nicht nur aus arbeiten und Kinder betreuen, denn du hast auch freie Tage. Bei mir war es das Wochenende. Ich konnte mir meine Zeit frei einteilen und unternehmen was ich wollte. Gemeinsam mit Freunden die ebenfalls als AuPairs arbeiteten, erkundete ich einen Strand nach dem Anderen. Machte Ausflüge in die BlueMountains oder flog für ein Wochenende nach Melboure oder Brisbane.

Brisbane
Melbourne

Es gab aber auch oft Tage oder Wochenenden die ich mit meiner Gastfamilie verbracht habe. Gemeinsam ging es für uns in den Zoo, ins Kino, zu playdates oder einfach mal nur auf das Sofa mit Pizza und einem Filmeabend. Mit meiner Gastmutter, die im Laufe der Zeit eher zu einer besten Freundin geworden ist, ging ich abends eine Runde joggen oder nachdem die Kinder im Bett waren, saßen wir gemütlich mit einem Wein auf der Veranda und haben uns über den neusten Gossip aus unserem Leben unterhalten.

Eins meiner Highlights war das gemeinsame Weihnachtsfest. Es war unglaublich schön Weihnachten mal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Ich tauschte das kalte Deutschland gegen 30 Grad und Sonne. Weihnachten im Pool und die Bescherung ganz früh Morgens, für mich alles ganz neu. Mittags ging es dann zum Rest der Familie und ich verbrachte Weihnachten mit viel Tanzen, Schwimmen und Essen. Kaum zu glauben, dass ich mal sagen kann, dass ich an Weihnachten einen Sonnenbrand bekommen habe.


Partnerlook mit meiner Kleinsten

You’ll never be completely home again, because part of your heart will always be elsewhere. That’s the price you pay for the richness of knowing and loving people in more than one place.

– Miriam Adeney

In der AuPair Zeit wirst du zu einem Familienmitglied, einer großen Schwester oder einem weiteren Kind. Du siehst die Kinder wachsen, siehst wie sie lernen und neue Aufgaben bewältigen. Als ich in Sydney ankam konnte die Kleinste noch nicht richtig laufen und sprechen, weil sie noch so klein war. In den sechs Monaten erlebte ich die ersten richtigen Schritte, die dann später in ein wildes umher rennen übergingen, dann die ersten Worte. Ich kann gar nicht beschreiben wie ich mich gefühlt habe als sie das erste Mal „AK“ gesagt hat. Charlotte, die Mittlere, war gerade in der Pre-School und lernte lesen und rechnen. Am Ende meiner AuPair Zeit konnte sie dann ganze Bücher vorlesen. Sebastian, der Größte, hat sich zu so einem neugierigen und wissbegierigen Jungen entwickelt – tausend Fragen über Gott und die Welt. Was ich damit sagen will: Es gab für mich nicht schöneres als bei der Entwicklung dabei zu sein und mitzuerleben wie alle drei Kinder zu richtigen individuellen Persönlichkeiten herangewachsen sind, auch wenn es nur sechs gemeinsame Monate waren.

Durch die Zeit als AuPair wächst du an dir selbst. Deine Gasteltern vertrauen dir das Wichtigste ihres Lebens an: ihre Kinder. Du bist auf dich alleine gestellt und trägst eine große Verantwortung, an der du, ohne Frage, wachsen wird. Durch diese Zeit bin ich selbstständiger, selbstbewusster und offener gegenüber Neuem geworden. Meine Reiselust hat mich gepackt und ich kann stolz und mit voller Überzeugung sagen, dass Sydney zu einer Art Zuhause geworden und meine Familie um vier Mitglieder gewachsen ist.

Wenn du dich auch für ein Abenteuer als AuPair interessierst, dann kann ich dir die Organisation AIFS wärmstens empfehlen. Sie helfen dir bei der Planung und sind auch vor Ort für dich da. Hier kommst du auf die Website und die unterschiedlichen Angebote.

playdates im Royal National Park

Nach meiner AuPair Zeit ging es für drei Freunde und mich auf große Reise. Gemeinsam erkundeten wir Bali, Thailand, Neuseeland und die Ostküste Australiens von Cairns bis Sydney.

Interessierst du dich generell für eine Arbeit mit Kindern? Dann lies dir doch gerne meinen Bericht über meinen Freiwilligeneinsatz auf Zanzibar durch. Hier habe ich unter anderem als Englisch und Deutschlehrerin gearbeitet.

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